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„Wir wollen wieder mehr Präsenz zeigen“

Die Linke im Kreis kündigt für den Herbst Aktionen an. Ein weiterer Ortsverband ist in Eislingen geplant. (Presseecho: NWZ/SüdwestPresse, von H. Thiele, 11.08.2022)

 

PRESSEECHO

„Wir wollen wieder mehr Präsenz zeigen“

Die Linke im Kreis kündigt für den Herbst Aktionen an. Ein weiterer Ortsverband ist in Eislingen geplant.

(NWZ/SüdwestPresse, von H. Thiele, 11.08.2022)

 

Wer René Niess und Philipp Gesing, den beiden Kreisvorsitzenden der Linken, zuhört, vergisst schnell, dass es der Partei bundesweit eher nicht gut geht. Und das ist noch untertrieben. 4,9 Prozent bei der Bundestagswahl vor einem Jahr, den Wiedereinzug ins Parlament nur dank dreier Direktmandate geschafft. Das hatten sich auch Niess und Gesing ganz anders vorgestellt, doch die beiden 30-Jährigen sprühen im Gespräch vor Begeisterung für Politik, das Thema Gerechtigkeit in der Gesellschaft ist ihr zentrales Anliegen.

Niess ist seit Januar 2020 Kreisvorsitzender, Gesing seit April dieses Jahres. Zusammen führen sie die Partei, die zwischen Geislingen und Ebersbach rund 60 Mitglieder zählt und nur über einen einzigen Ortsverband verfügt – jenen in Salach, wo Rene Niess für die Wählervereinigung „Salach Ökologisch Sozial“ (SÖS) im Gemeinderat sitzt.

 

Rechtzeitig vor der Kommunalwahl 2024 soll ein weiterer Ortsverband in Eislingen hinzukommen. Und auch sonst haben sich die beiden jungen Männer einiges vorgenommen, was der Linken im Landkreis wieder Auftrieb geben soll. „Wir sind derzeit dabei, uns mit unseren Mitgliedern aktiv auszutauschen, wie wir im Kreis wieder mehr Präsenz zeigen können“, sagt Gesing. Die Bürgerinnen und Bürger müssten sehen: „Es gibt uns vor Ort.“ Deshalb soll es künftig mehr sichtbare Aktionen geben. Mitte September will die Linke auf dem Göppinger Marktplatz Flagge zeigen für den öffentlichen Nahverkehr. Die vollen Busse und Züge beim 9-Euro-Ticket hätten gezeigt, dass die Bereitschaft der Menschen da sei, auf den ÖPNV umzusteigen. Doch dieser müsse dann auch funktionieren, sagt Niess. Langfristig sprechen sich die beiden Kreisvorsitzenden für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr aus. Im Oktober soll – ebenfalls auf dem Göppinger Marktplatz – die „Miethai“-Aktion wiederholt werden, mit der bereits vor einigen Wochen auf die Notwendigkeit hingewiesen wurde, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

 

Und warum ist die Linke bundesweit so schwach? Niess und Gesing machen dafür die zähen Personalquerelen verantwortlich, die nach außen getragen worden seien. Dass in der Partei auch über Inhalte zum Teil heftig gestritten wird, finden die beiden Kreispolitiker weniger störend. Im Gegenteil: „Die anderen Parteien sind auf Linie gebügelt, die Linke nicht.“ Und die Beinahe-Pleite bei der Bundestagswahl? Niess: „Das hat mich schon geschockt, aber viele Leute waren wegen der Pandemie auch mit Scheuklappen unterwegs und alle waren auf die Frage programmiert, wer Kanzler wird.“ Niess und Gesing glauben daher an ein deutlich größeres Wählerpotenzial für die Linke. „Alle Haushalte mit einem Einkommen von unter 80 000 Euro wären mit uns besser gefahren. Und Klein- und Mittelbetriebe würden vom Programm der Linken steuerlich am meisten profitieren“, betonen die beiden Kreisvorsitzenden. Das müsse man den Menschen künftig besser erklären.