Der Busbahnhof bleibt an seinem Platz
Der Göppinger Gemeinderat hat den von der FWG-Fraktion geforderten Planungsstopp für den ZOB-Neubau abgeschmettert. Die Standortfrage wird nicht neu aufgerollt. Aber es kommen Zusatzhaltestellen. (SWP/NWZ, 26.07.25, A. Woletz)
PRESSEECHO
Am Ende einer erneuten, kontroversen Debatte um die Zukunft des Göppinger Busbahnhofs stand die Fraktion der Freien Wähler (FWG) Göppingen am Donnerstagabend allein auf weiter Flur. Kein Stadtrat aus einer der anderen Fraktionen wollte sich der Forderung anschließen, die Planungen für den ZOB sofort zu stoppen und die Standortfrage von vorne zu beginnen. Stattdessen geriet die FWG ihrerseits in die Kritik. „Wir können nicht ständig demokratische Beschlüsse des Gemeinderats nach Lust und Laune der FWG neu aufrollen“, schimpfte Christian Stähle. Das wiederum wollte FWG-Chef Dr. Emil Frick nicht auf sich und seinen Fraktionskollegen sitzen lassen. Vor allem die Kostenfrage sei durchaus gerechtfertigt. Die Stadtverwaltung und die Redner anderen Fraktionen entgegneten, eine neue Standortdebatte würde die Zeitplanung weit zurückwerfen und sei völlig unnötig. Außerdem würde dadurch alles noch teurer. Es gelte, jetzt loszulegen „anstatt das Rad zurückzudrehen“, sagte beispielsweise Felix Gerber (CDU).
Vorgeschichte: Die Entscheidung, den zentralen Göppinger Verkehrsknoten an seinem jetzigen Standort barrierefrei neu zu bauen, fiel bereits vor etwa zwei Jahren nach einer Prüfung möglicher Alternativplätze. Ergebnis damals: Der jetzige ZOB bietet zwar nur eine begrenzte Fläche, um einen möglicherweise wachsenden Busverkehr aufzunehmen. Wegen seiner Nähe zum Bahnhof sei er aber am besten Platz. Im Oktober 2024 entschied die Jury über den Entwurf für die neue Dachkonstruktion. Anschließend wurde der Standort des Interims-ZOB für die Bauphase festgelegt: die derzeitigen Parkplätze am Fischbergele beim Staufen-Pharma-Areal.
"Wir können nicht ständig Beschlüsse des Gemeinderats neu aufrollen." - Christian Stähle, Die Linke
Im November wurde allerdings deutliche Kritik aus den Reihen des Fahrgastbeirats und anderen Interessengruppen am ZOB-Entwurf laut. Vor allem die Ausrichtung der Bussteige, Verkehrssicherheitsaspekte und mangelnde Barrierefreiheit wurden kritisiert. Seither kündigt die Stadt an, zusammen mit den Planungsbüros die Kritik in die Entwürfe einzuarbeiten, ohne das Konzept ganz zu verwerfen.
Göppingens Verkehrsplaner Andreas Christ stellte nun erneut dar, für welche Probleme man Lösungen suche. Zu den Konfliktpunkten zählen der nordöstliche Zugang von der Grabenstraße her, der Übergang über die Bahnhofstraße zu den Bussteigen und die angrenzende Rampe Richtung Team-Viewer-Gebäude. Es gebe Lösungsansätze, konkrete Entwürfe zeugte Christ allerdings noch nicht.
Hingegen beschlossen die Stadträte konkrete Kapazitätserweiterungen: Westlich, südlich und nördlich der Kreissparkasse sollen weitere Bushalte eingerichtet werden, um vor allem für die kleineren Citybusse weiter Bussteige abseits des ZOB zu bieten.
Auf Zustimmung stießen auch die ersten Skizzen für den Interims-ZOB am Fischbergele. Er soll etwa 12 groß dimensionierte Bussteigen Platz bieten, erläutere Andreas Christ. Das Provisorium soll nach dem geplanten Baubeginn ab 2026 für eineinhalb Jahre zur Verfügung stehen und etwa 1,2 Millionen Euro kosten. Vorgesehen sind auch ein Kiosk und ein WC-Container.
Dr. Frank Genske, einer der skeptischen FWG-Stadträte, erkannte zwar an, dass hinter all dem schon ein langer Planungsprozess stecke, er stellte aber die Frage nach der Leistungsfähigkeit des neuen ZOB bei zunehmendem Busverkehr. Er glaubte, dass der Standort Fischbergele, wenn er als Interims-ZOB funktioniere, auch längerfristig geeignet sei. Er hinterfragte, warum beim Preisgerichtsverfahren die Standortfrage nicht offen gelassen worden sei und er bezweifelte den Baukosten-Rahmen von derzeit 11,2 Millionen Euro für den neuen Busbahnhof. Genske: „Es wird auf ein Vielfaches davon hinauslaufen“. Überzeugen konnte er seine Ratskollegen mit all dem nicht.
Klaus Rollmann (FDP/FW) stellte die Frage, wie es mit einem möglichen Eingliedern des ehemaligen Baumarkts Weber an der Nordostecke aussehe, einem Gebäude, das inzwischen in der Hand der Stadt ist. Baubürgermeisterin Eva Noller und Rathauschef Alex Maier erklärten, dass das Haus durchaus Teil der ZOB-Planung sei, beispielsweise Sozialräume für Fahrer beherbergen könne. Weitere Nutzungen seien noch offen.
Der Siegerentwurf fürs ZOB-Dach
Mit einstimmigem Votum hat ein Preisgericht am 1. Oktober 2024 unter 17 Mitbewerbern, den Entwurf der Bürogemeinschaft „Uniola AG mit Hieber, Marquart, Lay und Bollinger + Grohmann“, alle aus Stuttgart, mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Dieser Entwurf sieht für den Zentralen Omnibusbahnhof eine „prägnante Dachkonstruktion“ in der Mitte des Platzes vor. Das neue Dach fasse die unterschiedlichen funktionalen Bereiche zusammen. „Sowohl geschlossene und mit Photovoltaik versehene Dachflächen als auch offene, mit Lamellen besetzte Strukturen ergeben ein großzügiges Ganzes“, urteilte die Jury.
Der Baumbestand des ZOB kann nur zum Teil erhalten werden. Es kommen aber neue Bäume an anderer Stelle hinzu.
