Ansorge und Stähle kandidieren in Bad Ditzenbach
Artikel + Kommentar SüdwestPresse/NWZ/Geislinger Zeitung 9.1.2014
PRESSEECHO:
Kreis Göppingen
Ansorge und Stähle kandidieren in Bad Ditzenbach
Artikel + Kommentar SüdwestPresse/NWZ/Geislinger Zeitung 9.1.2014
Das Bewerbungsende für die Bürgermeisterwahl in Bad Ditzenbach endete überraschend. Gleich acht Anwärter gibt es, darunter Christian Stähle (Linke) und der Birenbacher Rathaus-Chef Frank Ansorge.
Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob sich niemand als Nachfolger des langjährigen Bad Ditzenbacher Rathaus-Chefs Gerhard Ueding (CDU) bewerben würde. Der Amtsinhaber tritt nach 24 Jahren nicht mehr zur Wahl am 1. Februar an. Doch kurz vor Bewerbungsschluss am Mittwochabend haben sich acht Kandidaten gemeldet, darunter auch Überraschungskandidaten, die im Landkreis keine Unbekannten sind. So gaben sowohl der Göppinger Kreis- und Stadtrat Christian Stähle (Linke), der amtierende Birenbacher Bürgermeister Frank Ansorge (parteilos) und Herbert Juhn, stellvertretender Geschäftsführer der Göppinger Arbeitsagentur, ihre Bewerbung als Bürgermeisterkandidat für die rund 3.600 Einwohner zählende Kurgemeinde im oberen Filstal ab. Juhn hat schon eine erfolglose Kandidatur in Mühlhausen hinter sich.
Ansorge (47), der in Geislingen-Aufhausen wohnt, sieht Bad Ditzenbach als „attraktive Wohngemeinde ... mit Schwerpunkten im Bereich Tourismus und Gesundheit“. Die drei Ortsteile verfügten über eine „hervorragende Infrastruktur“. „Diese zu erhalten, aber auch zusammen mit den beteiligten Gremien und Entscheidungsträgern behutsam, aber stetig weiter zu entwickeln, stellt für mich eine reizvolle Aufgabe dar.“
Erst am Mittwoch entschieden
Der verheiratete Vater zweier Kinder habe sich erst während der Weihnachtsfeiertage und Neujahr mit dem Gedanken zu kandidieren befasst. „Wirklich entschieden habe ich mich erst am Mittwoch“, sagt Ansorge. Auch für sein engeres Umfeld sei die Entscheidung daher überraschend gekommen. Doch als Aufhausener sei er eng mit Bad Ditzenbach verbunden, kenne die örtlichen Strukturen und könne sich durch seine Erfahrungen in Birenbach „direkt reinknien“. Ansorge sieht in der Gemeinde, auch wegen des Tourismus, „wesentlich mehr Entwicklungsmöglichkeiten als in anderen Kommunen. Das ist Heimat für mich. Ich werde jetzt Gas geben und einen engagierten Wahlkampf führen. Die Entscheidung ist allein Sache der Wähler“, sagt Ansorge. Als Birenbacher Bürgermeister sei er in den vergangenen viereinhalb Jahren gemeinsam mit dem Gemeinderat viele Projekte angegangen. „Es ist aber keine Entscheidung gegen Birenbach“, betont Ansorge. Er habe dem Birenbacher Gemeinderat unverzüglich nach seiner Entscheidung einen Brief geschrieben, in dem er seinen Schritt erkläre. Falls es mit dem Bürgermeisteramt in Bad Ditzenbach nicht klappen sollte, habe er den Birenbacher Gemeinderat in dem Schreiben „um eine weiter faire und konstruktive Zusammenarbeit gebeten“. „Ich hoffe, dass mir diese dann gewährt wird. Denn ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht“, so Ansorge. Werde er nicht Ditzenbacher Rathaus-Chef, werde er in Birenbach für eine zweite Amtszeit kandidieren, stellt er klar.
Die Birenbacher Gemeinderäte haben erst nach Bewerbungsschluss am Mittwochabend von Ansorges Schritt erfahren. „Dazu möchte ich keine Stellungnahme abgeben. Das ist seine Entscheidung“, sagte Gemeinderat Heiner Späth (FWV). Überrascht davon, dass Ansorge sich aus Birenbach wegbewirbt, ist Gemeinderat Peter Frank Stephan (SPD). „Normalerweise bewerben sich die Bürgermeister erst nach einer Amtszeit“, so Stephan. „Aber ganz klar ist auch, dass Birenbach ein Sprungbrett für jüngere Bürgermeister ist.“ Ansorges Vorgänger Klaus Heininger ist mittlerweile OB in Eislingen.
Als Überraschung gilt auch die Kandidatur des Göppinger Stadt- und Kreisrats Christian Stähle für den Chefsessel im Bad Ditzenbacher Rathaus. „Eine Kommune verdient innerhalb der Verwaltung, in der Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger einen fairen, menschlichen und gerechten sowie sozialen Bürgermeister. Dies vorleben zu können, ist für mich eine Herausforderung“, wirbt Stähle in einer Pressemitteilung für sich. Der 55-jährige Diplom-Theologe und Diplom-Psychologe, der sich als „überzeugten Antifaschisten“ bezeichnet, gehört seit 2009 dem Göppinger Gemeinderat an. In den vergangenen Jahren hat er sich dort vor allem mit OB Guido Till immer wieder heftige Wortgefechte geliefert hat. Im Mai 2014 wurde Stähle in den Kreistag gewählt.
Kommentar der Redaktion
Ein Kommentar von Michael Schorn: Spannende Wahl steht bevor
Erst gab es keine Bewerber für die Bürgermeisterwahl in Bad Ditzenbach, niemand hat sich aus der Deckung heraus getraut. Doch jetzt sind es gleich acht Kandidaten geworden. Mit den Anwärtern Christian Stähle und dem amtierenden Birenbacher Bürgermeister Frank Ansorge dürfte es zudem ein spannender Wahlkampf werden, sorgt doch gerade der Göppinger Stadt- und Kreisrat Stähle (Linke) immer wieder für Gesprächsstoff. Dass Frank Ansorge, seit viereinhalb Jahren Rathaus-Chef in der Schurwaldgemeinde, sich schon während seiner ersten Amtsperiode wegbewirbt, ist ungewöhnlich. Eher ist es üblich, dass Bürgermeister sich nach einer ersten Wiederwahl in anderen Orten kandidieren. Dabei sind Ansorges Gründe für eine Bewerbung in Bad Ditzenbach verständlich. Er stammt aus der Gegend und lebt auch dort und tatsächlich scheinen die Entwicklungspotenziale der Kurgemeinde größer zu sein als die Birenbachs. Finanzielle Beweggründe werden für Ansorge dabei nebensächlich gewesen sein. Die Gehaltssteigerung bei einem Sprung in der Besoldungsgruppe ist eher zu vernachlässigen. Bleibt nur die Frage, was passiert, wenn Ansorge in Bad Ditzenbach nicht gewählt wird, denn die Bewerbung kann durchaus als gewagter Schritt bezeichnet werden. Denn gerne sehen es die Einwohner einer Kommune nicht, wenn sich ihr Bürgermeister während seiner Amtszeit anderswo bewirbt.
