Arbeitsamt will Schule unter die Lupe nehmen, Flüchtlinge sollen den Keller gestrichen haben
Artikel SüdwestPresse/NWZ 13.5.2016 von Dirk Hülser
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Artikel SüdwestPresse/NWZ 13.5.2016 von Dirk Hülser
Arbeitsamt will Schule unter die Lupe nehmen, Flüchtlinge sollen den Keller gestrichen haben
Flüchtlinge sollen während eines Deutschkurses den Keller einer Privatschule gestrichen haben. Die Arbeitsagentur will den Fall nun genau überprüfen.
Mussten Flüchtlinge während eines Deutschkurses in einer Göppinger Privatschule anstatt die Sprache zu lernen den Keller streichen? Ein Mann aus Syrien hatte diesen Vorwurf erhoben, der Schulleiter hatte zunächst gesagt: "Das wusste ich nicht." Der Gebietsleiter der Privatschule wiederum sagte, auf eigenen Wunsch hätten die Flüchtlinge die Wand eines Klassenzimmers gestrichen.
Ganz anders die Version, die die Bildungseinrichtung der in diesem Fall zuständigen Arbeitsagentur mitgeteilt hat - der Deutschkurs wurde vom Jobcenter mit 3600 Euro finanziert, Träger des Centers sind die Arbeitsagentur und das Landratsamt Göppingen. Plötzlich bestätigt die Schule die Version des Flüchtlings, ja, der Keller sei gestrichen worden. Dies berichtet Bettina Münz aus der Geschäftsführung der Arbeitsagentur. Momentan finde der Kontakt nur schriftlich statt, "aber den Keller wollten wir uns noch angucken", betont Münz.
Insgesamt 320 Stunden umfasste der Kurs, laut Münz sind darin 20 Stunden für "berufsorientierende Schritte" enthalten. Handwerkliche Tätigkeiten seien in diesem Kontext durchaus üblich. Aber Münz stellt auch Fragen: "Trifft es das Interesse der Teilnehmer?" So ist der syrische Flüchtling beispielsweise Akademiker mit vielen Jahren Berufserfahrung. Münz fragt auch: "Welche Umfänge nehmen die Arbeiten ein? Wie ist das Projekt zustande gekommen? Ist es angemessen?"
Münz sagt auch, dass es Träger gebe, die eigene Werkstätten für diesen Zweck haben. "Jetzt ist der Keller natürlich keine Werkstatt", meint sie. Nicht nur deshalb will sie das Untergeschoss der Schule genauer unter die Lupe nehmen. "Für uns ist es immer wichtig, dass die Qualitätsstandards eingehalten werden", betont sie. Wichtig sei auch, "dass wir immer beide Seiten hören". So lägen ihr auch die Aussagen des Arbeitsvermittlers im Jobcenter vor, dem der syrische Flüchtling zuerst die Geschichte erzählt hatte. "Jetzt sind wir gerade dabei, beide Seiten gegeneinander abzuwägen."
Als zweiter Träger des Jobcenters tritt das Landratsamt auf. Dessen Sozialdezernent Hans-Peter Gramlich findet: "Aus meiner Sicht kann das nicht Bestandteil eines Sprachkurses sein." Er räumt aber auch ein: "Ich habe keinen pädagogischen Zugang dazu, in welcher Form Sprachkurse durchzuführen sind. Ich bin da relativ weit vom Thema weg."
Wenn nun die Arbeitsagentur den Kontakt mit der Sprachschule sucht, kann dies Gramlich nur recht sein. Denn er findet: "Es wäre tatsächlich hilfreich, wenn man mit dem Träger ins Gespräch kommt, was der pädagogische Nutzen solch praktischer Tätigkeiten in einem Sprachkurs ist."
Ein weiterer Vorwurf gegen die Schule lautete, dass die Lehrerin dieses Kurses nicht qualifiziert gewesen sei - sie soll nur Russisch und Deutsch gesprochen haben, konnte sich demnach mit den Flüchtlingen nur via des Übersetzungsprogramms von Google verständigen. Gramlich gibt aber zu bedenken: "Bei der Menge von Flüchtlingen aus dem arabischen Raum ist es sicher eine Herausforderung, Fachpersonal zu finden, das der arabischen Sprache mächtig ist."
Göppingen, den 13.5.2016
Christian Stähle
Kreisrat
