Die Menschen und ihre Alltagssorgen im Blick

(Südwestpresse/NWZ; 4. Februar 2026; von Arnd Woletz)


Die 39-jährige Alexandra Bürger kandidiert für die Partei „Die Linke“ im Wahlkreis Göppingen. Den Fokus richtet die Erzieherin aus Bad Boll auf soziale Themen, Familien und Bildungspolitik.

„Wir müssen die Prioritäten in Richtung des Sozialen verschieben“, sagt Alexandra Bürger. „Wenn wir nicht gegensteuern, fliegt uns das System wegen der Folgekosten irgendwann um die Ohren.“ Der Schwerpunkt auf die sozialen Fragen und das Thema Gerechtigkeit liegt der Bad Bollerin sehr am Herzen. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März kandidiert die 39-Jährige im Wahlkreis Göppingen für die Partei „Die Linke“. Dabei ist ihre politische Karriere noch jung. Erst vor gut einem Jahr ist sie in die Partei eingetreten. Und die Kandidatur im Wahlkreis übernahm sie Ende November kurzfristig, als Sabine Schapke gesundheitsbedingt passen musste.


Die Menschen im Mittelpunkt

Die fehlende politische Erfahrung ist für Alexandra Bürger aber kein Makel. Viel Erfahrung macht sie im Bereich Kinder, Jugendliche und Familien sowie den damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Fragen geltend. Denn die ausgebildete Erzieherin arbeitete zunächst in der Jugendhilfe in Kirchheim,  führte dann als Tagesmutter sieben Jahre lang eine Kindertagespflege in Bad Boll und ist nun an einem Göppinger Kindergarten in Teilzeit angestellt. Außerdem hat sie selber zwei Kinder im Alter von 8 und 15 Jahren. Sie wisse also, wo Familien der Schuh drückt. „Kinder, Jugendliche und Familien brauchen mehr als nur gute Worte. Qualitative Bildung, verlässliche Betreuung und funktionierende Unterstützungsangebote sind entscheidend für ein gutes Aufwachsen“, findet sie. Da tun sich Lücken auf. „Wir bekommen von unten den Mangel nicht mehr gewuppt“, sagt die 39-Jährige, „das muss von oben kommen, auch aus der Landespolitik“. Und genau da wolle sie sich einbringen. Bei den Linken sah sie die Möglichkeit und die Chance, die Probleme anzugehen. Es brauche mehr Geld für Personal und bessere Arbeitsbedingungen, um den Fachkräftemangel zu stoppen. „Wir haben beispielsweise einen starken Abgang von fertig ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern aus dem Beruf, weil die Arbeitsbedingungen schwierig sind“, sagt die Kandidatin, die selber ein berufsbegleitendes Fernstudium in Sozialer Arbeit aufgenommen hat.


„Ein krankendes System“

Aber auch  um andere soziale Strukturen macht die Bewerberin sich Sorgen. Mieten, Essen, Energie, alles werde immer teurer. Die Löhne hielten da nicht mit. Kitas kürzen Öffnungszeiten. Das alles  nennt die Kandidatin „ein krankendes System, das sich mit Improvisieren nicht mehr heilen lässt“. Da brauche es den Leitgedanken „Menschen statt Profite“. Es gehe darum, den Alltag der Menschen in Baden-Württemberg wieder bezahlbar zu machen. „Das sehen wir und daran arbeiten wir.“ Günstige Mieten, kostenfreie Kitas und Investitionen ins Gesundheitssystem sind wichtige Programmpunkte für Alexandra Bürger und ihre Partei.

Und woher will sie die dafür notwendigen enormen Geldsummen nehmen? Auf diese Frage hat Alexandra Bürger eine klare Antwort: „Weniger Aufrüstung.“ Das würde auch Spielräume für andere notwendige Schritte schaffen, glaubt sie. Beispielsweise den kostengünstigen Nahverkehr. Alexandra Bürger und ihre Partei machen sich für einen Preis des Deutschlandtickets von nur neun Euro stark. Gerade für Schüler, Studenten, aber auch für Rentner sei diese Mobilität sehr wichtig. Und diese Subvention komme auch allen anderen zugute, weil Straßen und  Umwelt weniger belastet würden. Denn auch beim sehr wichtigen Thema Klimawandel sei es doch so: „Die Schwachen leiden als allererste“. Nicht nur im sogenannten Globalen Süden. „Auch der Baustellenarbeiter leidet unter der immer stärkeren Hitze“, nennt sie als Beispiel.


Vorliebe für Gemeinschaftsschule

In der Bildung, einem wichtigen Thema der Landespolitik, setzt Alexandra Bürger in der Werkrealschul-Krise auf die Gemeinschaftsschule. Ihre beiden Kinder besuchen die Gemeinschaftsschule in Bad Boll. Und Alexandra Bürger findet es gut, dass dort die Kinder nicht schon in der fünften Klasse in Leistungsschubladen gepresst werden.

Im Gegensatz zur Sorge ums Sozialsystem hat sie beim landespolitischen Thema Polizei und  Sicherheit weniger Bedenken. „Ich sehe das Problem Stadtbild nicht“, sagt sie, „und ich habe auch nicht das Gefühl, in besonders unsicheren Zeiten zu leben.“


Glauben an den Erfolg

„Mit dem erstmaligen Einzug der Linken in den Landtag von Baden-Württemberg können wir das Leben von so vielen Menschen besser machen. Gemeinsam schaffen wir, was kürzlich noch undenkbar war, gemeinsam schreiben wir im März Geschichte!“ Diese Sätze hatte Bürger nach ihrer Nominierung geschrieben. Die Umfragewerte sind mit etwa sieben Prozent gut. Glaubt sie an den Erfolg? Ja, sagt die Kandidatin. „Die Menschen haben die Linke vielleicht noch nicht so ganz auf dem Schirm, aber das wird sich noch ändern“. Sie selber meint, dass sie durch ihren Beruf einen Vertrauensvorschuss habe. „Das merke ich im Wahlkampf im Umgang mit den Menschen.“ Für sie als Kandidatin spreche auch, dass sie seit ihrer Kindheit ein großer Gerechtigkeitssinn auszeichne. „Und den werde ich jetzt politisch umlenken“. Im Kreisverband spüre sie starken Rückhalt im Wahlkampf und kooperiere gut mit dem Linke-Kollegen Bernd Graßhof aus dem Wahlkreis Geislingen. Auch wenn es womöglich nicht für ein Landtagsmandat reicht, sagt Alexandra Bürger mit einem Augenzwinkern: „Das Ergebnis des FDP-Kandidaten zu überbieten, ist machbar.“

 



Zur Person: Alexandra Bürger (Die Linke)


Alexandra Bürger wuchs in Bad Boll auf, wo die 39-Jährige noch heute mit ihrer Familie lebt. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 8 und 15 Jahren.

Ausbildung: Nach der Grundschule besuchte sie zunächst die Uhland-Realschule in Göppingen und schloss eine Erzieherinnen-Ausbildung an der Öde an. Seither sammelte sie 20 Jahre Berufserfahrung im Bereich Jugendhilfe und frühe Bildung.

In ihrer Freizeit arbeitet Alexandra Bürger gerne in ihrem Garten und kümmert sich um die dort lebenden Hühner. Außerdem bewegt sie sich gerne im Wald und in der Natur.