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Flüchtlinge erzählen ihre Geschichten

NWZ-SüdwestPresse V. Albrecht


Presseecho

Flüchtlinge erzählen auf dem Göppinger Marktplatz ihre Geschichten

(NWZ-Südwestpresse V. Albrecht)


Unter dem Motto "Willkommen" hatte die Linksjugend am Samstag einen Flüchtlingsdialog auf dem Göppinger Marktplatz organisiert. Ziel war es, dass Flüchtlinge über ihre Flucht erzählen können.

Zum Flüchtlingsdialog am Samstag auf dem Göppinger Marktplatz waren rund 30 Vertriebene aus dem Kreis Göppingen erschienen und wollten Vorurteile aus dem Weg räumen. Mit ihrer offenen Art ist Monika Maichel vom Freundeskreis Asyl für viele Hilfesuchenden eine wichtige Ansprechpartnerin. Vor allem die vielen Kinder, die bei Fragen öfters nach ihr riefen, würden in ihr eine "Bezugsperson" sehen, erzählt Maichel, die bereits seit 25 Jahren im Café Asyl arbeitet. "Es dauert sehr lange, bis man eine Bindung mit Flüchtlingen und Asylanten aufgebaut hat", sagt sie. Oft seien die unterschiedlichen Sprachen eine Herausforderung.

Sprachbarrieren waren auch am Samstag ein großes Problem, deshalb hatte Aicha Ibrahim, die sich für den Flüchtlingsdialog extra frei nahm, alle Hände voll zu tun. Sie übersetzte von Arabisch, Englisch, Französisch und Deutsch. "Die Geschichten der Menschen sind schlimm. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, zu helfen", erzählte Ibrahim.

Die Veranstaltung zeigte, dass Redebedarf besteht: Für viele Menschen haben die wochen- oder gar monatelangen Strapazen der Flucht aus ihrer Heimat ein Ende. Trotzdem ist ihre Zukunft in Deutschland oft ungewiss.

Jeder hat seine ganz eigene Geschichte zu erzählen, die meist mit einer Odyssee zusammenhängt: "Als ich in Ungarn ankam, haben mich die Polizisten dort mit Gewalt in einen Zug Richtung Deutschland gesetzt", berichtete Al Said Rasul Faizal, der von Syrien flüchten musste. Seine Frau und seine zwei Kinder seien noch im Kriegsgebiet. Er wollte nach Deutschland kommen, um schnell eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, damit er anschließend seine Familie zu sich holen kann. Da er aber zuerst in Ungarn gemeldet war, sei die Genehmigung in Deutschland abgelehnt und mit einem roten Strich auf seinem Pass gekennzeichnet worden, erzählt er. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich muss warten. Jeder von uns wartet", ergänzte Faizal.

Ahmed Alhalaki ist Vater von Drillingen und hat eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Auch er ist zusammen mit seiner Frau und den Kindern aus Syrien geflohen. Derzeit lebt er in einem Heim an der Pappelallee. "Mir ist es wichtig, dass ich so schnell wie möglich deutsch lerne, damit ich Arbeit finden kann. Ohne die Sprache richtig zu beherrschen, kann ich mich nicht integrieren", erzählte Alhalaki.

Zwischendurch sang am Samstag Alireza Azimi, der selbst vor fast zwei Jahren vom Iran nach Deutschland fliehen musste, traditionelle Lieder seiner Heimat, die von Gitarre und Klavier begleitet wurden. In seinem Herkunftsland sei er hauptberuflich Musiker gewesen. Bei den Flüchtlingen und Göppinger Passanten, die stehen blieben und zum Takt klatschten, kamen die Musikeinlagen gut an.

Den Vertriebenen tat es sichtlich gut, dass es Menschen gibt, die ihnen helfen möchten und ihnen zuhören. Auch wenn sich der geplante Dialog zwischen Flüchtlingen und Fußgängern hauptsächlich auf Unterhaltungen zwischen Veranstaltern und Flüchtlingen beschränkte, bedankten sich die Geflüchteten mehrmals bei den Organisatoren. "Es wäre schön gewesen, wenn die Passanten noch mehr auf die Menschen eingegangen wären und ihnen auch gezielt Fragen gestellt hätten. Nur so können Hass und Vorurteile abgebaut werden", fand René Niess von der Linksjugend "Solid" Göppingen und Geislingen.

Die Linksjugend und der Migrantinnenverein waren die Organisatoren der Veranstaltung. Unterstützung bekamen sie von der Antifaschistischen Gruppe Göppingen, der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands, dem Freundeskreis Asyl und dem Göppinger Lokalradio Fips, das die Technik zur Verfügung stellte und mit Moderator Steffen Schenk ebenfalls vor Ort war.


www.swp.de/goeppingen/lokales/goeppingen/Fluechtlinge-erzaehlen-auf-dem-Goeppinger-Marktplatz-ihre-Geschichten;art5583,3413193

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