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Flüchtlinge streichen Keller - Arbeitsagentur ermahnt Privatschule

Artikel SüdwestPresse/NWZ von Dirk Hülser 21. Mai 2016


PRESSEECHO:

Flüchtlinge streichen Keller
- Arbeitsagentur ermahnt Privatschule

Artikel SüdwestPresse/NWZ von Dirk Hülser 21. Mai 2016  


Die Arbeitsagentur hat Vorwürfe eines Flüchtlings gegen eine Privatschule jetzt bestätigt. Statt Deutsch zu lernen, wurde ein Keller gestrichen.

Die Vorwürfe klangen haarsträubend: Flüchtlinge hätten in einem Deutschkurs einer Göppinger Privatschule das Klassenzimmer putzen und den Keller streichen müssen, die Lehrerin sei meist zu spät gekommen und konnte mangels Sprachkenntnissen mit den Schülern nur via Google-Übersetzer kommunizieren.

Der Kurs wurde von der Arbeitsagentur bezahlt, deren Chef hat nun am Freitag eingeräumt, dass die Berichte eines syrischen Flüchtlings weitgehend den Tatsachen entsprechen. Auch die Schule kooperiere nun.

Das hatte vor einigen Tagen noch anders ausgesehen. Zu Beginn hatte der Schulleiter abgestritten, dass überhaupt gestrichen wurde. Sein Vorgesetzter, der Gebietsleiter, räumte anschließend lediglich ein, eine Wand eines Klassenzimmers sei auf Wunsch der Flüchtlinge gestrichen worden. Und die Arbeitsagentur wollte den Vorgang prüfen.

Nur wenige Tage später ließ die Agentur mitteilen, sie sehe keinen Anlass, in der Sache tätig zu werden. Begründung: Die Malerarbeiten hätten zwar tatsächlich stattgefunden, aber nur einen geringen Teil des 320 Stunden dauernden Kurses eingenommen. Wieder einige Tage später dann der Rückzieher: Die Prüfung sei doch noch nicht abgeschlossen, die Arbeitsagentur wolle nun den Keller inspizieren, hieß es am 12. Mai aus der Geschäftsführung. Aber handwerkliche Tätigkeiten seien durchaus üblich im Rahmen solcher Kurse, zur „Berufsorientierung“.


Klärendes Gespräch im Landratsamt

Am Donnerstag fand nach all dem Hin und Her ein klärendes Gespräch im Landratsamt statt, das zur Hälfte Träger des Jobcenters ist – gemeinsam mit der Arbeitsagentur. Mit dabei waren unter anderem Landrat Edgar Wolff, Agenturchef Wilfried Hüntelmann, Kreissozialdezernent Hans-Peter Gramlich, der Leiter des Jobcenters, Reinhard Matschi, sowie der Flüchtling aus Syrien, der den Stein ins Rollen gebracht hatte.

Hüntelmann sprach am Freitag Klartext, für künftige Kurse gelte: „Das Streichen wird gestrichen, das kann’s nicht sein.“ Zwar gebe es diese Art der Einstiegskurse nicht mehr, sie waren Teil eines Sofortprogramms der Bundesagentur für Arbeit. Doch andere Integrations- und Deutschkurse werden weiterhin angeboten. Nach dem Gespräch bei Landrat Wolff findet Hüntelmann: „Der Flüchtling war glaubhaft.“ Das Gespräch sei gut gewesen – „und ich habe den Eindruck gewonnen, dass für diesen Flüchtling der Kurs nicht der richtige war“. Der Syrer ist Akademiker und Familienvater.   Als Konsequenz aus der Geschichte wurde der Privatschule die Gelbe Karte gezeigt. Hüntelmann unterstreicht: „Es ist wichtig, dem Bildungsträger vor diesem Hintergrund ganz deutlich zu machen, dass Qualitätsrichtlinien einzuhalten sind – ohne das kommt ja nichts dabei heraus.“   Dass der Keller – den der Vorsitzende der Geschäftsführung der Göppinger Arbeitsagentur mittlerweile selbst in Augenschein genommen hat – gestrichen wurde, kann sich Hüntelmann nur damit erklären, dass dies mit dem „Themenfeld Beruf“ in Zusammenhang gestanden habe. „Aber ich halte es für sehr unglücklich, diese Sequenz. Und das ist freundlich ausgedrückt.“ Denn: „Für eine Berufsorientierung braucht es Fachleute.“ Eines betont Hüntelmann aber auch: „Die Lage und Nutzung der Kellerräume zeigen, dass es sich um keine Renovierung im Sinne einer Vorteilsnahme des Trägers handelt.“  


Göppingen, den 21.5.2016        

      Christian Stähle             
           Kreisrat

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