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Konstantinos Katevas legt Blitzstart auf den Kandidatensessel hin

von Arnd Woletz 7. Sept. SüdwestPresse/NWZ


PRESSEECHO:

Konstantinos Katevas legt Blitzstart auf den Kandidatensessel hin

Von Arnd Woletz 7. Sept., SüdwestPresse/NWZ


Kreis Göppingen

Der Politneuling Konstantinos Katevas tritt für „DIE LINKE“ im Wahlkreis Göppingen an. Den 23-Jährigen treiben vor allem soziale Themen und Digitalisierung um, aber auch der internationale Rechtsruck.

Konstantinos Katevas, Bundestagskandidat der Linken, diskutiert am Kaffee-Mobil mit jungen Leuten. Er selber ist mit 23 Jahren unter den etablierten Parteien der jüngste Bewerber im Wahlkreis Göppingen.

Es ist ein kühler, leicht regnerischer Abend auf dem Göppinger Marktplatz: „Für rote Nasen“ steht auf den Taschentuch-Packungen, die neben allerlei Wahlwerbung im Kaffee-Mobil der „Linken“ bereit liegen. Mit dem zu einer Art Theke umgebauten motorisierten Dreirad bestreitet der Kreisverband seinen Wahlkampf. „Konstantinos Katevas Kaffee Klatsch“ ist das Motto. „Lockeres kennenlernen bei Kaffee und Kuchen.“ Anpirschen an Passanten ist wohl nicht das Ding des Kandidaten. Trotzdem: Drei junge Männer nähern sich. Kaffee wollen sie nicht, aber mit dem Bewerber der Linken diskutieren, der nicht viel älter ist als sie selber. Katevas ist 23 und seit einem guten Jahr Mitglied in der Partei. In Jeans, Kapuzenpulli und schwarzer Lederjacke macht er Wahlkampf. „Meine erste Funktion ist Bundestagskandidat. Läuft, oder?“, sagt Katevas lachend. „Wenn meine übrige Karriere auch so wird, bin ich zufrieden.“ Dabei macht er sich nichts vor: Die Kandidatur im Wahlkreis Göppingen wird ihn nicht in den Bundestag führen. Es geht darum, für die Linke ein gutes Ergebnis zu erzielen. „Bei uns kommt es auf jeden Prozentpunkt an.“ Die Zahl von fünf Prozent fällt, die er im Wahlkreis schaffen möchte.

 

„Ich habe mich für die Kandidatur entschieden, weil ich daran glaube, was die Partei vertritt und was ich mache.“ Einerseits. Andererseits macht er auch kein Geheimnis draus, dass die Leute ihn auf diese Art kennenlernen sollen. Denn bei der nächsten Kommunalwahl wird es ernst für ihn: Er will in den Göppinger Gemeinderat.

Sich überlebensgroß auf einem Wahlplakat der Linkspartei zu sehen, sei schon sehr ungewohnt, sagt der Student. „Hätten Sie mich vor zwei Jahren danach gefragt, hätte ich das nicht geglaubt.“ Denn eigentlich sympathisierte er zuerst mit den Piraten, auch das verhehlt Katevas nicht. Da habe ihm aber das soziale Element gefehlt. „Deshalb dachte ich, es wäre leichter, das Thema Digitalisierung bei den Linken unterzubringen, als das Soziale bei den Piraten“, sagt er und kommt mit zwei anderen jungen Leuten ins Gespräch. Diesmal geht es unter anderem um das bedingungslose Grundeinkommen, bei dem er „gespalten“ sei.

 

Mit einigen sozialen Themen hat der Student der Bioinformatik schon selber bittere Erfahrungen machen müssen. Denn vor ein paar Jahren erkrankte er sehr schwer und musste fast ein Jahr in Kliniken verbringen. Deshalb ist ihm der Pflegenotstand und die Krankenhauspolitik ein Anliegen. „Zwei Pfleger sind nachts für ein ganzes Stockwerk zuständig, und dann sind sie auch noch unterbezahlt“, beschreibt er seine Erfahrungen und fragt sich: „Warum sollen Kliniken eigentlich unbedingt profitabel sein? Für wen?“

Hautnah hat er auch die Wohnungsnot erfahren. Denn bis vor kurzem wohnte er noch an seinem Studienort Tübingen. „Rentner und sozial Schwächere werden nach außen gedrängt“, findet er. „Der Sozialwohnungsbau hat einen Neustart verdient“. Er plädiert für die Mietobergrenze und dafür, in Ballungsräumen den Leerstand von Wohnraum zu sanktionieren.

 

Die Digitalisierung ist allerdings sein unangefochtenes Steckenpferd. Konstantinos Katevas zählt es zu seinen Hobbys, Videospiele im Internet zu kommentieren, so ähnlich wie ein Sportreporter. „Esports-Kommentator“ nennen sich solche Leute. Kein Wunder, dass er für öffentliches W-Lan und schnelles Netz plädiert. Über ein Internet-Thema regt er sich richtig auf: Dass Anbieter von Internetplattformen für das Löschen von Hasskommentaren zuständig sein sollen. „Das klingt erst mal gut“, sagt er. Doch Politik und Konzerne schöben sich die Verantwortung gegenseitig zu und wuschen sich rein. Die Folge: „Keiner ist schuld, aber Zensur gibt es trotzdem.“

 

Als Polit-Neuling hat Katevas das Schulungsangebot der Landespartei durchlaufen. Man merkt, dass die Sätze bei manchen Themen etwas gestelzt aus ihm sprudeln, schließlich hat er das ganze Wahlprogramm durchgeackert. An diesem Abend beim Auftakt seiner Kaffee-Mobil-Reihe assistieren ihm die erfahrenen Kreis-Linken Christian Stähle und Thomas Edtmaier. „Und ich habe meine Karteikarten.“

Konstantinos Katevas, dessen Eltern als junge Leute aus Griechenland nach Deutschland kamen, sagt zum Wahlkampf-Dauerbrenner Flüchtlingspolitik: „Es darf keine Obergrenze für Menschenrechte geben.“ Die Lösung könne nur darin liegen, dass die Fluchtursachen bekämpft werden. Den Einwand, dass dies alle Parteien sagen und es letztlich unrealistisch sei, lässt er nicht gelten. „Wir als Linke sind die einzigen, die konsequent gegen Auslandseinsätze und Waffenexporte sind.“ Integration sei keine Einbahnstraße, findet Katevas. Die Menschen müssen etwas dafür tun, man müsse ihnen aber auch die Möglichkeit dazu geben. „Dann ist es keine Sackgasse.“ Irgendwann werde die Gesellschaft von diesen Menschen profitieren.

 

Nicht nur wegen der Wahl Donald Trumps in den USA, wegen Erdogan in der Türkei und Orban in Ungarn glaubt Katevas: „Das Klima auf der Welt geht nach rechts.“ Gerade junge Leute sollten dem etwas entgegensetzen. Leicht fällt es ihm als Polit-Frischling, sich unbeleckt von der DDR-Vergangenheit seiner Partei zu zeigen. „Der Mauerfall war vor meiner Zeit. Für mich steht das Parteiprogramm und nicht die Mitglieder im Vordergrund.“ Wegen seiner Unerfahrenheit sei er bei den ersten Podiumsdiskussionen etwas nervös gewesen, räumt er ein. „Auf den Podien bin ich immer der jüngste Kandidat, aber ich mache das mit Schlagfertigkeit wieder wett.“

 

 Göppingen, den 11.9.2017

 

          René Niess
Medienpolitischer Sprecher
 Kreisverband DIE LINKE.

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