Läßt sich die "Mogelpackung" Arbeitslosenzahlen des Bundes auf den Kreis runterbrechen?
KREISVERBAND GÖPPINGEN & GEISLINGEN
IM GÖPPINGER GEMEINDERAT
GEMEINSAME PRESSEERKLÄRUNG:
Läßt sich die "Mogelpackung" Arbeitslosenzahlen des Bundes auf den Kreis runterbrechen?
Bereits im zweiten Monat in Folge hat die Arbeitslosigkeit vor Ort zugenommen. Wie die Arbeitsagentur Göppingen bekanntgab, stieg, wie schon im Juli, auch im August die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk, und zwar um 880 auf 17 283 Männer und Frauen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote, bezogen auf alle Erwerbstätigen, von 4,3 Prozent. Ende Juli waren es 4,1.
Im Kreis Göppingen waren Ende August 5936 Personen arbeitslos gemeldet, 280 mehr als einen Monat davor. Die Quote stieg um 0,2 auf 4,5 Prozent.
Kann man diesen Zahlen vertrauen? Im Bund nicht!
Schlechte Meldungen kann die Bundesregierung nicht gebrauchen. Deshalb bleibt sie dabei, die Arbeitslosenzahlen schön zu rechnen. Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht als arbeitslos gezählt. Fast alle Arbeitslosen, die älter als 58 sind, erscheinen nicht in der offiziellen Statistik. Im Mai 2009 kam eine weitere Ausnahme hinzu: Wenn private Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos, obwohl er keine Arbeit hat.
Wer die tatsächliche Arbeitslosigkeit erfassen will, muss ehrlich rechnen. DIE LINKE hat sich die Mühe gemacht und nachgerechnet. Hier die tatsächliche Zahl, die allein auf amtlichen Daten beruht:
Tatsächliche Arbeitslosigkeit im August 2011: 3.957.257
Offizielle Arbeitslosigkeit: 2.944.686
Nicht gezählte Arbeitslose: 1.012.571
Nicht gezählte Arbeitslose aufgeschlüsselt:
- Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I und/oder ALG II: 357.448
- Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten): 197.459
- Fremdförderung: 59.066
- Beschäftigungsphase Bürgerarbeit: 10.864
- Berufliche Weiterbildung: 157.680
- Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen (z.B. Bewerbungstraining) 48
- Aktivierung und berufliche Eingliederung (z. B. Vermittlung durch Dritte): 144.585
- Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose): 13.698
- Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen: 1.006
- Kranke Arbeitslose (§126 SGB III): 70.717
Quellen: Bundesagentur für Arbeit: Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland. Monatsbericht August 2011, Seite 67. Die dort aufgeführte Altersteilzeit sowie Gründungszuschüsse und sonstige geförderte Selbstständigkeit haben wir in der Tabelle nicht berücksichtigt. Die dort ebenfalls aufgeführten älteren Arbeitslosen, die aufgrund verschiedener rechtlicher Regelungen (§§ 428 SGB III, 65 Abs. 4 SGB II, 53a Abs. 2 SGB II u.a.) nicht als arbeitslos zählen, sind enthalten in der Gruppe Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I oder ALG II. Diese große Gruppe der älteren ALG -Bezieher, die nicht als arbeitslos gelten, ist nicht vollständig im Monatsbericht ausgewiesen, sondern mit Stand März 2011 in einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit abgefragt worden.
Die Bürgerinnen und Bürger haben einen Anspruch auf einen korrekten Umgang mit den Zahlen!
"Schöngemerkelte" Arbeitslosenzahlen braucht kein Mensch!
Während Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern um ihren Arbeitsplatz bangen, versenkt die Regierung Milliarden in einem Schutzschirm für Banken und lässt Beschäftigte und Erwerbslose im Regen stehen.
Handeln erschöpft sich in Wahlkampfgeplänkel der nächsten Landtagswahlen. Das Schicksal von Millionen Bürgerinnen und Bürgern haben die neoliberalen Parteien dabei nicht im Blick.
Reinhard Basler Thomas Edtmaier Christian Stähle
Kreisvorsitzender Kreisgeschäftsführer Stadtrat
Kreisvorsitzender
