Offener Brief: „Abzocke“ der Deutschen Bahn bei Fahrgästen mit Fahrrad beenden!
Sehr geehrter Herr Verkehrsminister Hermann,
natürlich ist mir klar, dass Sie über die mannigfaltigen Fehlleistungen der Deutschen Bahn durch Ihren Mitarbeiterstab sowie Medien unterrichtet sind.
Da Wir uns noch aus meiner Zeit als Kreisvorsitzender der Partei DIE LINKE in Stuttgart, im Zuge des Widerstandes gegen S 21, gut kennen, erlaube ich mir, mich, in meiner Funktion als Kreisrat der LINKEN im Landkreis Göppingen, an Sie zu wenden.
DIE LINKE. im Kreistag
Landkreis Göppingen
Offener Brief:
Herr Verkehrsminister Hermann, bitte beenden Sie die „Abzocke“ der Deutschen Bahn bei Fahrgästen mit Fahrrad!
Sehr geehrter Herr Verkehrsminister Hermann,
natürlich ist mir klar, dass Sie über die mannigfaltigen Fehlleistungen der Deutschen Bahn durch Ihren Mitarbeiterstab sowie Medien unterrichtet sind.
Da Wir uns noch aus meiner Zeit als Kreisvorsitzender der Partei DIE LINKE in Stuttgart, im Zuge des Widerstandes gegen S 21, gut kennen, erlaube ich mir, mich, in meiner Funktion als Kreisrat der LINKEN im Landkreis Göppingen, an Sie zu wenden.
Gerade Sie und Ihre Partei machen sich stark für alternative Mobilität jenseits eines PKW. Auch DIE LINKE. fordert dieses Umdenken nicht nur, sondern wünscht sich, dass es auch gelebt und im Alltag praktiziert wird. Deshalb habe ich z.B. auch meinen PKW abgeschafft, habe ein VVS-Jahresticket, eine Bahncard und bin Mitglied beim Stuttgarter stadtmobil. So, wie viele Bürger_innen, nutze auch ich die Kombi-Möglichkeit Zug und Fahrrad. Wenn wir Politiker wollen, dass die Menschen umdenken, dann müssen auch Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Menschen gerne auf Zug, Bus, Fahrrad umsteigen. Was ich täglich als Pendler erlebe, und heute bei Zugreisenden mit Fahrrad, war genau das Gegenteil von dem, um für einen Umstieg bei den Bürger_innen auf eine alternative Mobilität zum PKW zu werben!
Somit vertrete ich als Kreisrat und Bürger die Auffassung, dass von Seiten der Landespolitik alles Notwendige getan werden muss, um zum einen endlich die Anzahl der Missstände zu reduzieren und zum anderen auch noch widerwärtige Aktionen eines einzelnen Zugbegleiters oder dessen womöglich pflichtbewusstes Handeln im Auftrag von Vorgesetzten, zu beenden.
Ich erlaube mir, den heutigen Tag, Freitag, den 23.8.2018, als ein Beispiel-Tag des leider „und täglich grüßt das Chaos auf der Strecke Göppingen und Stuttgart“ anzuführen.
Zu den nachfolgend beschriebenen, bekannten Miseren kommt nun eine ganz besondere neue Masche ….“DAS ABZOCKEN VON FAHRGÄSTEN MIT FAHRRÄDERN“
- 6:55 Göppingen Bahnhof: (der im Übrigen total heruntergekommen ist, was nur noch blamabel für unsere Stadt ist, zum einen als Märklin-Eisenbahn-Stadt, die Märklin-Tage stehen im September wieder an, aber auch als „Entrée“ für die Große Kreisstadt Göppingen ist der Bahnhof nur noch peinlich. Wir bauen als Kommune eine TG unter den Bahnhofsvorplatz, gestalten den Bahnhofsvorplatz neu [Kosten rund 6 Millionen], haben der DB einen Grundstücksstreifen vor dem Bahnhofsgebäude für viel Geld abgekauft, um ein langes Vordach vor das Bahngebäude der DB, auf städtische Kosten, zu bauen....etc. Die DB denkt gar nicht daran, in das marode, heruntergekommen Gebäude zu investieren!)
- Gleis 4 nach Stuttgart ist rappelvoll
- 6:59 - welch Sensation, „Ansage“ der Zug soll einfahren, er ist tatsächlich mal pünktlich
- 7:00 - Zug fährt ein, Pendel-Profis erkennen durch den Lokomotiven-Stopp-Platz allerdings sofort: - kurzer Zug, mal wieder viel zu wenig Waggons.
- 7:01 - der „Run“ auf die Zugtüren und einen Sitzplatz des bereits überfüllten Zuges beginnt. Ich steige in den Wagen direkt nach der Lokomotive ein. Unter der 1. Klasse ist das Großraumabteil für Kinderwagen / Fahrräder und Rollstühle. Alles erstürmt die letzten freien Klappsessel. Mir gelingt es, ebenfalls noch einen solchen Sitzplatz zu bekommen. Drei Fahrgäste mit Fahrrädern steigen ein. Die wissen nicht wirklich, wo sie die Räder im übervollen Zug überhaupt platzieren sollen. Zum Glück kam kein Kinderwagen oder Rollstuhl, die hätten keinen Platz mehr gefunden.
- 7:02 - Zug fährt ab
- 7:04 - In der Regel bekommt man/frau, in den Frühzügen, die Zugbegleiter sehr selten zu sehen. Heute schien der Zugbegleiter regelrecht vom Himmel gefallen zu sein. Er interessierte sich allerdings nicht für die Fahrgäste im Allgemeinen, sondern „hechtete“ direkt auf den ersten Radfahrer zu. Er kam gleich zur Sache und wollte das Ticket für das Rad sehen. Erklärte dem Fahrgast, dass er von 6:00 Uhr bis 9:00 Uhr für das Rad bezahlen müsse. Ich will nun gar nicht bewerten, ob der Gast das wusste oder nicht. Allerdings brummte der Zugbegleiter dem Fahrgast sofort eine Strafe von 60.- € auf. So verfuhr er auch mit den anderen zwei Radfahrern. Er kassierte faktisch innerhalb 15 Minuten 180.- € Strafe ab. Weitere Ticketkontrollen führte er nicht mehr durch. Er verschwand sofort, bis zur Ankunft in Stuttgart, im Führerstand des Lokführers. Dies konnte ich so eindeutig feststellen, da ich von meinem Klappsitz aus direkt auf die Tür der Lokführerkabine sehen konnte.
Es war für die anwesenden Fahrgäste, die die Vorgehensweise auch bemängelten, und für mich klar ersichtlich, dass der Zugbegleiter NUR die drei Radfahrer kontrollieren wollte um ihnen die 60.- € aufzubrummen! Unabhängig der menschlichen Fehlleistung, die es durch Sie Herr Minister, mich oder andere mehr oder weniger gut gefunden werden kann, geht es mir darum, eine Veränderung zu erzielen, dass die Bahn nicht die Mitnahme von Rädern bewirbt und dann keinen notwendigen Platz für die Räder zur Verfügung stellt und Radfahrzugreisende und übrige Fahrgäste massiv behindert, ja eingeschränkt sind, weil die Mitnahme der Räder aus Platzgründen eigentlich gar nicht möglich ist. Bis Stuttgart standen ab Esslingen alle Gänge, Treppen voll mit Menschen und es kam kaum jemand mehr zu den Türen meiner Waggonseite raus oder rein, weil die Räder im Ein-/Ausgangsbereich zwangsweise stehen mussten. Zu guter Letzt wurde dann auch noch, trotz der dienstleistungslosen Aktion keine Stellplätze für die Räder zu haben, somit eigentlich keine Mitnahme von Rädern technisch möglich war, mit den Strafzahlungen die Bevölkerung abgeschreckt auf Bahn/Fahrrad umzusteigen.
Ich wäre über eine Stellungnahme und für ein Handlungsangebot Ihrerseits dankbar.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Stähle
Kreisrat / Stadtrat

