OFFENER BRIEF an Volker Münz, MdB der AfD
Bleiben Sie dem Katholikentag freiwillig fern!
OFFENER BRIEF an Volker Münz, MdB der AfD:
Bleiben Sie dem Katholikentag freiwillig fern!
Ein "Grüß Gott" als Christ und ev. Theologe,
"Guten Tag" nach Knigge als Politiker,
als Christ und Politiker ist es notwendig, gerade so kurz nach Ostern, Ihnen als Mitglied der AfD und deren Vertretern im Deutschen Bundestag nicht die "Opferlamm"-Rolle zu überlassen. Ich beziehe mich in meinem offenen Brief an Sie auf den Artikel:
NWZ/SüdwestPresse von Helge Thiele 29.3.2018: Kontroverse um AfD-Mann Münz
https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/lk-goeppingen/kontroverse-um-afd-mann-muenz-25083680.html
Sie Herr Münz und Ihre AfD beklagen ständig, dass die demokratische Kultur und der politische Diskurs in unserem Land Schaden genommen haben. Aber Ihre Politik und Ihre Forderungen verursachen gerade selbst diesen Schaden maßgeblich, indem Sie versuchen, Menschen mit einem längst überkommenen Volksbegriff in immer mehr auszugrenzende Minderheiten zu spalten, indem Sie Mehrheiten konstruieren, die es nicht, bzw. die es nur in Ihrer kruden Welt gibt. In Ihrer Welt versuchen, durch Masseneinwanderung ins Land geschwemmte Homosexuelle, Zwangsverheiratete und Burkaträgerinnen die traute deutsche Familie durch Zwangsislamisierung früh zu sexualisieren, unterstützt von "links-grün-versifften Schulsozialarbeitern und Schulsozialarbeiterinnen". Legendär sind virtuelle Mausausrutscher, mit denen Ihre Brandstifter-Parteifreunde Flüchtlingskinder und dann doch lieber nur Frauen erschießen wollen. Oder die Tatsache, dass es doch wünschenswert wäre, Homosexuelle ins Gefängnis zu stecken. Ihre Seilschaften wollen in Moscheen pinkeln oder befinden, wie jüngst - auch wieder in dementierter Weise - die Freiheit der Kunst für abschaffungswürdig.
Sie beklagen ernsthaft, dass es Menschen gibt, die nicht mit Ihnen im Podium sitzen wollen oder Sie auf einem Kirchentag sehen wollen, wo gegen solche menschenverachtenden Positionen gebetet und "gelebt" wird. Ihre Partei ist bewusst verletzend und ausgrenzend gegenüber vielen Gruppierungen, allen voran gegenüber Menschen anderer Herkunft. Dennoch jammern Sie wegen der drohenden Ausladung zum Katholikentag.
So sieht doch Ihr Ausgrenzungskonzept in Ihrer geforderten Realpolitik wirklich schrecklich aus:
Geflüchtete sollen abgeschoben werden. Menschen mit Behinderung sollen weiterhin von den „normal Begabten“ separiert werden. LSBTTI-Lebenswirklichkeiten sollen von Kindern ferngehalten werden. "Links-grün-versiffte Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter "sollen abgeschafft werden. Heranwachsenden soll grundsätzlich das Jugendstrafrecht vorenthalten werden. Frauen, die für ihre Rechte kämpfen, unterliegen einem Gender-Wahn, etc.
Ihre Partei behaupte, die herrschende Politik bilde den Mehrheitswillen der Bevölkerung bei vielen Entscheidungen nicht mehr ab. Auch das gibt es nur in Ihrer Welt. Aber Ihr Weltbild kann nur durch Verschwörungstheorien und Selbstmitleid aufrechterhalten werden; denn mit dem Leben in diesem Land hat es wenig zu tun. Aber die gefühlte Wahrheit ist eben keine Wahrheit.
Ich kann nachvollziehen, wenn es Menschen im Land gibt, die Ihnen kein Podium für Ihr krudes Weltbild geben wollen!
Wer politische Talkshows anschaut, entgeht den Vertretern Ihrer AfD kaum. Politiker der Alternative für Deutschland sitzen bei Anne Will, Maybrit Illner oder hart aber fair. Was sie dort vortragen und wie sie sich benehmen, wird anschließend im ganzen Land diskutiert. Der AfD und ihren Unterstützern fehlt es also wahrlich nicht an öffentlicher Aufmerksamkeit. Dass die AfD sich dennoch als Opfer einer vermeintlichen Lügenpresse und eines journalistischen Schweigekartells inszeniert, lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Noch mehr Aufmerksamkeit, noch mehr Fernsehrunden...die AfD fände nach jeder Begegnung neue Gründe und neue Beispiele für ihre vermeintliche Benachteiligung, um ihre Opferrolle zu verfestigen.
Wenn ich Sie im öffentlichen Raum treffe, wie kürzlich in einem bekannten innerstädtischen Café, dann gebietet mir meine Erziehung einen respektvollen Umgang mit Ihnen, und meine Hoffnung als Christ, dass Ihnen der Herr doch noch Erleuchtung schenken möge, ergibt bei solchen Zusammentreffen dieses kleine Mindestmaß an geführtem "Smalltalk". Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich Ihre Positionen und die Ihrer Partei zu fast 100 Prozent zutiefst verabscheuungswürdig empfinde.
Für mich gilt die klare Ansage: Die AfD ist nicht nur ein politischer Konkurrent, sie ist ein Gegner. Für mich sind Ihre Argumente und Forderungen keine politische Meinung, sondern ein Verbrechen an den Menschen.
Diese Klarstellung ist für mich überfällig, weil sich der Blick auf die AfD merkwürdig verändert hat. Als vor längerer Zeit Volker Kauder (CDU) ankündigte, die AfD durch Nichtbeachtung zu schwächen und Talkshows mit ihren Vertretern zu meiden, kam kaum Protest. Im Gegenteil: Damals mussten sich jene rechtfertigen, die sich auf die AfD einließen.
Leider glauben einige inzwischen, der Umgang zur AfD, als Oppositionsführerin im Bundestag, müsste angepasst werden. Dieser Fehler wurde 33 im Reichstag auch gemacht.
NEIN!
Ihre Partei ist seit der ersten Boykott-Ankündigung durch Kauder nicht etwa menschenfreundlicher und seriöser geworden, sondern – im Gegenteil – radikaler.
Jeder Mensch sollte das Recht haben, Leuten wie Höcke und seinen Parteifreunden außerhalb des Parlaments aus dem Weg zu gehen.
Ich stelle mich dennoch, als Christ und evangelischer Theologe, Ihnen Herr Münz, als dem Kirchengemeinderat, Landessynodalen und kirchenpolitischen Sprecher seiner Bundestagsfraktion, gerne mit Inhalten entgegen und belege Ihnen, dass Sie das Christ sein nicht wirklich verstanden haben, noch leben, wenn Sie sich in der AfD engagieren.
Die Bibel erzählt von Flüchtlingen und ihren Schicksalen. Menschen wie Abraham, Jakob, David, Jesus selbst und viele andere waren zeitweise auf der Flucht und mussten ihre Heimat, Geborgenheit, Familie und Freunde verlassen. Die Bibel hat einiges über den Umgang mit Fremden und Flüchtlingen zu sagen (2. Mose 23,1-9; Jesaja 58,1-12; Sacharja 7,1-14; Maleachi 3,1-5). Sie stehen unter dem besonderen Schutz Gottes. Das Wort für ‚Fremder‘ ist in der Bibel gleichbedeutend mit ‚Gast‘. Es wird auch mit ‚Ausländer‘ oder ‚Fremdling‘ wiedergegeben.
Flüchtlinge sind meist Fremde für uns, weil sie aus einem anderen Kulturkreis kommen. Sie aufnehmen ist gelebte Gastfreundschaft. Der Begriff ‚Willkommenskultur‘, der seit kurzem von Politik und Medien gebraucht wird, ist also keine neue Erfindung, sondern ist in der Bibel Auftrag Gottes an sein Volk und wird auch gelebt. In Sprüche 31,8-9 werden wir aufgefordert: „Du aber tritt für die Leute ein, die sich selbst nicht verteidigen können! Schütze das Recht der Hilflosen. Sprich für sie und regiere gerecht! Hilf den Armen und Unterdrückten!“
Herr Münz, für Christus sind wir alle gleich. Die Bibel sagt in Galater 3, 28: "Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freie, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus."
Ihr Rassismus ist Sünde. Die Bibel sagt in Jakobus 2, 8-9: "Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter. "
Alle Menschen haben das gleiche Blut. Die Bibel sagt in Apostelgeschichte 17, 26: "Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen."
Gott nimmt Menschen von jeder Rasse, Kultur und Nation an. Die Bibel sagt in Apostelgeschichte 10, 34-35: "Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm."
Ich glaube, wahre Christen können Sie und Ihren Unglauben und Ihre Irrlehren locker zerpflücken, so wie ich es hier begonnen habe.
An Ihrer Stelle würde ich lieber freiwillig nicht auf ein Podium mit wahren Christen gehen, denn das würde die "hässliche Fratze Ihrer Parteiideologie" offenlegen.
Vielleicht wollen Sie aber schon jetzt die Absolution getreu des Satzes: "Herr vergib Ihnen, denn Sie wissen nicht was Sie tun". Der Herr mag Ihnen am Tag des Jüngsten Gerichts vergeben. Aber hier auf Erden bekommen Sie, Ihre Parteifreunde und Anhänger, von mir, denn ich bin nur Mensch, ganz sicher diese Absolution nicht.
Ich bin der festen Überzeugung, dass Sie und Ihre Parteifreunde genau wissen, was Sie tun, dies macht Ihre Partei so gefährlich und deshalb werde ich die AfD auch weiterhin kompromisslos politisch bekämpfen!
Christian Stähle
Kreis- & Stadtrat
Kreisvorsitzender
ev. Theologe
