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Über dem Göppinger Rathaus sind dunkle Wolken aufgezogen

IM GÖPPINGER GEMEINDERAT

PRESSEECHO:

Behörde soll im Rathausstreit schlichten

Über dem Göppinger Rathaus sind dunkle Wolken aufgezogen. Der Streit zwischen dem Göppinger Rathauschef und seinem Baubürgermeister hat eine neue Dimension erreicht. 
Gerhard Schertler Stuttgarter Nachrichten

 

Über dem Göppinger Rathaus sind dunkle Wolken aufgezogen. Der Streit zwischen dem Göppinger Rathauschef und seinem Baubürgermeister hat eine neue Dimension erreicht. Foto: dpa

 (Foto: dpa)

Göppingen

In Göppingen brodelt’s: Oberbürgermeister Guido Till sieht sich Mobbingvorwürfen aus seinem Umfeld ausgesetzt. Baubürgermeister Olaf Brinker hat jetzt sogar die übergeordnete Behörde um Hilfe gebeten. Im Gemeinderat hält sich die Unterstützung für ihn allerdings in Grenzen.

Sie konnten von Anfang nicht miteinander, doch inzwischen hat der Streit zwischen dem Göppinger Rathauschef und seinem Baubürgermeister eine neue Dimension erreicht. Baubürgermeister Olaf Brinker hat Briefe an den Gemeinderat und an das Regierungspräsidium Stuttgart geschickt. Sowohl die Stadträte als auch die Aufsichtsbehörde soll er nach Angaben von Gemeinderatsmitgliedern aufgefordert haben, ihn und seine Mitarbeiter vor weiteren Mobbingattacken des OBs zu schützen.

„Till hat einen zu großen Rückhalt im Gemeinderat“

Auslöser für den Hilferuf soll eine der letzten Bürgermeisterbesprechungen gewesen sei. Dort, so erzählt Brinker, „hat es der OB gegen mich so knallen lassen, dass ich den Raum verlassen musste“. Obwohl sich der gebürtige Hamburger Hilfe erhofft, hat er Zweifel daran, dass er sie auch bekommt. „Till hat einen zu großen Rückhalt im Gemeinderat“, glaubt er.

Aus der Riege der Göppinger Stadträte nimmt beim derzeitigen Stand des Verfahrens nur Brinkers Vorgänger Joachim Hülscher Stellung. Er sitzt heute für die Liste der Freien Wähler Göppingen (VuB) im Gemeinderat. Sollte es erneut zu einer Aussprache in diesem Gremium kommen, will Hülscher den Oberbürgermeister daran erinnern, dass dieser „ständig Probleme im Umgang mit seinen Mitarbeitern hat“. Unter anderem hätten die Chefsekretärin und der Fahrer wegen Till das Rathaus verlassen.

Der OB selbst will wie das Regierungspräsidium zu Brinkers Hilferuf nicht Stellung nehmen. Beide Parteien weisen darauf hin, dass es sich um ein schwebendes Verfahren handle. Der Oberbürgermeister stellt sich am 14. Oktober den Göppingern erneut zur Wahl. Mittlerweile parteilos wird Till dabei von der CDU und Freien Wählern unterstützt. Die SPD sucht noch nach einem Gegenkandidaten für ihr einstiges Zugpferd.

Baubürgermeister soll den „Karren der Konjunktur“ ziehen

Tills Führungsstil ist schon seit längerer Zeit umstritten. Wer in einer Stadt und ihrer Verwaltung den „Karren der Konjunktur“ ziehen muss, steht für ihn unumstößlich fest. Diese Rolle ist dem Baubürgermeister zugedacht. Bisher sah der 2005 überraschend zum OB gewählte Till aus seiner Sicht vom Kutschbock aus, um im Bild zu bleiben, eher schwächliche Pferde vor dem Stadtkarren. Dies bekam nach dem Amtsantritt Tills 2006 der damals amtierende Baubürgermeister Joachim Hülscher zu spüren. Obwohl er als Architekt der neuen Göppinger Stadtmitte gilt, versagten ihm der OB und eine Mehrheit des Gemeinderats nach nur einer Amtsperiode die Wiederwahl.

Statt Hülscher hievten die Stadträte und Till den gebürtigen, parteilosen Hamburger Olaf Brinker an die Spitze des städtischen Bauamts. Als die durch den Amtswechsel erhoffte Schubkraft im Baudezernat ausblieb, bekam Brinker sofort die Ungeduld des Oberbürgermeisters zu spüren. Ein Rüffel folgte dem anderen. Zuerst waren es die sprunghaft steigenden Kosten beim Umbau der Hohenstaufenhalle, dann die Auswahl für die Jury eines Architektenwettbewerbs oder die Haltung des Baubürgermeisters bei der Standortsuche für ein neues Einkaufszentrum in der Göppinger Stadtmitte.

Brinker als Trotzbube bezeichnet

Dabei vergaloppierte sich Brinker so stark, dass er es sich sogar mit seinen einstigen Förderern aus der CDU gründlich verscherzte. Er sei ein „Trotzbube“, wurde dem 50-jährigen Hamburger öffentlich an den Kopf geworfen. Der Grund: Der Baubürgermeister hatte sich mit seinem Standortvorschlag gegen den OB und den Gemeinderat gestellt. Und das nach einer über vierstündigen Diskussion zum Thema Einkaufszentrum, an der er sich weigerte teilzunehmen. Auch in der Folge ließ der Oberbürgermeister keinen Zweifel daran, dass er seinen Kollegen im Bauamt am liebsten entlassen würde, wenn er könnte. Dies, so heißt es aus dem Gemeinderat, soll Till angeblich gegenüber dem Baubürgermeister geäußert haben, nachdem sich dieser nicht einmal ein Jahr im Amt befunden habe.

Ende 2009 hatte sich das Unverhältnis an der Spitze der Göppinger Verwaltung so zugespitzt, dass der Gemeinderat nicht mehr tatenlos zusehen wollte. Hinter verschlossenen Türen forderte das Gremium die beiden Streithähne dazu auf, zumindest ein gewisses Maß an Koexistenz zu üben. Die Meinungen, wer schuld am Rathaus-Desaster ist, gingen jedoch auch bei dieser nichtöffentlichen Sitzung weit auseinander. Sie reichten von der Forderung nach einem Rücktritt Tills bis hin zur Aufforderung an Brinker, sich einen neuen Job zu suchen.

Kurz nach der Aussprache kam es tatsächlich zu einer versöhnlichen Geste seitens des Oberbürgermeisters. Till zog sich aus dem Verwaltungsrat der Parkhausgesellschaft zurück, um dem Gemeinderat für den Posten den Baubürgermeister vorzuschlagen. Brinker wollte in dieser Geste aber kein Entgegenkommen des Rathauschefs sehen, sondern das Ergebnis seiner Gegenwehr. Der Posten gehöre zu seinem Dezernat. Er habe es sich nicht gefallen lassen, dass er für die Verwaltungsratssitzungen keine Einladungen mehr bekommen habe.

Göppingen, den 5.7.2012

       Christian Stähle

            Stadtrat

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