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Vorwürfe gegen Privatschule - Wände gestrichen statt Deutsch gelernt?

Stuttgarter Zeitung, 7.5.2016 von Karen Schnebeck

 

PRESSEECHO:

Göppingen: Vorwürfe gegen Privatschule - Wände gestrichen statt Deutsch gelernt?

Stuttgarter Zeitung, 7.5.2016 von Karen Schnebeck  

Ein Syrer erhebt Vorwürfe gegen eine Privatschule, die im Auftrag des Arbeitsamts Sprachkurse anbietet. Der Schulleiter wehrt sich, die Behörde prüft die Vorgänge. Überall in Deutschland lernen Flüchtlinge bei unterschiedlichsten Anbietern Deutsch. In Göppingen gab es an einer Privatschule jetzt Ärger – sie soll die Schüler ausgenutzt haben.

Eine Lehrerin, die sich kaum verständlich machen konnte und Kursstunden ausfallen ließ, zu wenig Bücher, ja sogar Putz-, Aufräum- und Malerarbeiten statt Unterricht – die Vorwürfe, die ein Syrer gegen eine Privatschule im Kreis Göppingen erhebt, sind massiv. Das Arbeitsamt prüft derzeit, was an der Sache dran ist, der Gebietsleiter der Schule streitet die Vorwürfe vehement ab. Dennoch gibt es bereits die Forderung, das Arbeitsamt und der Landkreis mögen die Zusammenarbeit mit dem Institut einstellen.


Schulleiter: „Ganz normal Deutsch gelernt“

Demnach habe der Kursleiter drei Mal gewechselt. Die letzte Leiterin spreche nur Deutsch und Russisch. Den Flüchtlingen habe sie sich mit Hilfe des Übersetzers von Google verständlich gemacht. Die Frau habe den Unterricht häufig ausfallen lassen und die Teilnehmer einfach in verlängerte Pausen geschickt. Begründet hat sie das dem Syrer zufolge damit, dass sie müde sei. Außerdem soll die Schule zu wenig Bücher zur Verfügung gestellt haben. Die Teilnehmer hätten diese auf eigene Kosten kopieren müssen. Besonders aufgebracht hat den Mann aber offenbar, dass die Frau verlangt habe, dass die Teilnehmer das Klassenzimmer putzten und umräumten. Zudem sollen sie gezwungen worden sein, einen Raum im Keller des Schulgebäudes zu streichen statt Deutsch zu lernen.

Der Gebietsleiter der bundesweit tätigen Privatschule wehrt sich: Die Frau spreche sehr wohl Englisch und habe eine Zulassung für die Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Damit sei sie für einen solchen Kurs sogar überqualifiziert. Die Streich- und Putzaktionen seien Teil des Unterrichts gewesen und außerdem freiwillig. Im Unterricht sei es um das Thema Handwerk gegangen, dazu habe man einige wenige Praxisstunden eingeschoben. Die restliche Zeit habe man „ganz normal Deutsch gelernt“.

 

Kreisrat fordert Zusammenarbeit mit Schule zu beenden

Der Linken-Kreisrat Stähle ist überzeugt, dass der Syrer, den er inzwischen gut kennt, nicht übertreibt, zumal er weitere Flüchtlinge kenne, die das gleiche erlebt hätten. Er fordert deshalb, dass die Arbeitsagentur und das Landratsamt nicht mehr mit der Schule zusammenarbeiten. Das Arbeitsamt, das erst vor kurzem von der Sache gehört hat, will sich inhaltlich noch nicht zu dem Fall äußern. Laut dem Pressesprecher Michael Ziegler prüft man zurzeit, ob die Vorwürfe zutreffen. Welche Konsequenzen das für die Privatschule haben könnte, sollten sich die Vorwürfe bestätigen, konnte Ziegler noch nicht sagen. Beim Kreissozialamt sei der Fall gänzlich unbekannt, berichtet der Sozialdezernent Hans-Peter Gramlich. Denn bei dem Syrer handle es sich um einen bereits anerkannten Flüchtling. Der Kreis hingegen kümmert sich um Kurse für die Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch läuft. Dazu arbeitet das Landratsamt in erster Linie mit den Volkshochschulen und der Arbeiterwohlfahrt zusammen. „Das sind seit Jahrzehnten anerkannte und seriöse Träger“, sagt Gramlich. Daneben gebe es nur noch einen privaten Anbieter, mit dem das Landratsamt aber ebenfalls seit vielen Jahren gute Erfahrungen mache.

Der Kurs, den der Syrer besucht hatte, ist im Rahmen eines Sofortprogramms von der Arbeitsagentur vermittelt worden. Das Bamf hatte die Agenturen beauftragt, weitere Anbieter zu finden, weil es für die vielen Flüchtlinge zu wenig Sprachkurse gegeben hatte. Bei dem Sofortprogramm, das inzwischen beendet ist, sind die Anforderungen an die Anbieter niedriger. Die Kurse sollten als Einstieg für die regulären Integrationskurse dienen. Der Syrer besucht inzwischen einen dieser regulären Kurse – die Arbeitsagentur hat ihm einen Platz bei der Göppinger Volkshochschule verschafft.

 


Göppingen, den 7.5.2016        

     Christian Stähle    
          Kreisrat

 

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