Ziemlich beste Brieffreunde
NWZ-SüswestPresse 11.2.2015
PRESSEECHO:
Ziemlich beste Brieffreunde
(NWZ-SüswestPresse 11.2.2015)
Harmonielehre auf höchstem Niveau zelebrieren derzeit Landrat Edgar Wolff und Kreisrat Christian Stähle. Nachdem der Linke ja in seiner Eigenschaft als Stadtrat mit dem Göppinger Oberbürgermeister nicht so recht kann, sucht er nun als Kreisrat die Freundschaft des Landrats.
Foto: Giacinto Carlucci; Schau mir in die Augen: Landrat Edgar Wolff (l.) und Kreisrat Christian Stähle mögen sich und lassen die Öffentlichkeit daran teilhaben.
Harmonielehre auf höchstem Niveau zelebrieren derzeit Landrat Edgar Wolff und Kreisrat Christian Stähle. Nachdem der Linke ja in seiner Eigenschaft als Stadtrat mit dem Göppinger Oberbürgermeister nicht so recht kann, sucht er nun als Kreisrat die Freundschaft des Landrats. Der erwidert die Annäherungsversuche gerne. Und weil die zwei sich so mögen, lassen sie die Öffentlichkeit daran teilhaben. Zwei ziemlich beste Brieffreunde und ihr Austausch von Nettigkeiten.
"Sie, geschätzter Herr Landrat", schreibt der bislang eher als Poltergeist bekannte Stähle zu Beginn des offenen Briefwechsels zum Thema geheime Klinikpläne. Ein Whistleblower hatte der NWZ Details über die neuen Absichten der Verantwortlichen zukommen lassen, auch die Möglichkeit einer Schließung der Geislinger Helfenstein-Klinik zu einem nicht näher genannten Zeitpunkt steht plötzlich im Raum. Schon hatte der Landkreis sein Klinik-Gate.
Stähle geht natürlich nicht mit allen Beteiligten so zimperlich um wie mit dem geschätzten Herrn Landrat Wolff. Das Vorgehen der Geschäftsleitung der Alb-Fils-Kliniken ist für ihn eine "Frechheit", eine "Zumutung", und er fühlt sich "verschaukelt". So bittet er dann Wolff "höflichst, umgehend eine Sondersitzung des Kreistages einzuberufen". Der Landkreis-Chef setzte sich sofort an den Rechner, um dem Kreisrat, "sehr geehrter Herr Stähle", seine Verbundenheit auszudrücken: "Danke für Ihren Offenen Brief", schreibt der Aufsichtsratsvorsitzende der Alb-Fils-Kliniken und betont, dass er über "die irreführende Berichterstattung" der NWZ "sehr betroffen" sei.
Das Thema Sondersitzung wolle er aber mit den Fraktionsvorsitzenden besprechen. "Freundlich grüßt Sie Edgar Wolff" endet das Schreiben. Umgehend will der Linke nun seinerseits die neue Brieffreundschaft pflegen. "Vielen Dank für Ihre schnelle Reaktion", lässt er Wolff wissen. "Es freut mich sehr", fügt Stähle hinzu und weiter: "Ich bedaure auch zutiefst, dass ausgerechnet Sie . . . durch das Verhalten der Geschäftsleitung . . . in öffentlichen Erklärungszwang kamen." Er verabschiedet sich überschwänglich: "Mit den besten Wünschen für einen guten Wochenstart grüßt sie sehr herzlich . . ." Kurz darauf schreibt Wolff wieder zurück. Die "Hauptursache für diesen bedauerlichen Vorgang" liege in einer "Verletzung der Verschwiegenheitspflicht", glaubt er - freilich ohne den Whistleblower zu kennen. Nach einer Besprechung der Fraktionsvorsitzenden solle Stähle umgehend informiert werden. "Dies sicherzustellen ist für mich ein wichtiges Anliegen." Das freut den Kreisrat, der keiner Fraktion angehört: "Vielen Dank nochmals für die Darlegung Ihrer Position. Wir haben mittels unserer Briefe hinreichend in respektvoller Weise unsere Sichtweise dargelegt."
Um 22.09 Uhr am Montagabend schließlich wünscht Stähle dem Landrat "einen schönen Feierabend und liebe Grüße". Wobei Grußformel-Experten hier noch Luft nach oben sehen, bis aus der noch jungen Brieffreundschaft etwas Festeres wird. Denn ebenfalls am Montag schließt Stähle die Einladung zur Sitzung der Linke/Piraten-Fraktion im Göppinger Gemeinderat so: "Mit sozialistischen Grüßen."
Diesen Gruß verweigert er aber dem Betriebsratsvorsitzenden der Kliniken, Max Radloff, der in Sachen Klinik-Gate geschrieben hatte: "Sehr geehrter Herr Stähle", der solle nicht gleich "lospoltern". Da war er dann aber wieder, der Poltergeist, denn dem Linken missfällt "der freche Stil und abwegige Inhalt Ihres Schreibens". Deshalb weist er Radloff zurecht: "Für Sie zukünftig erst einmal ,Kreisrat Stähle'."
