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Zum Taktieren zu jung

Von Sabine Riker 2. Sept. Stuttgarter Zeitung


PRESSECHO:

Bundestagswahl - Zum Taktieren zu jung

Von Sabine Riker 2. Sept. Stuttgarter Zeitung

 

Der 23-jährige Konstantinos Katevas kandidiert bei der Bundestagswahl am 24. September für Die Linke. Der Student der Bioinformatik, der mit drei Jahren nach Deutschland gekommen ist, will sich für soziale Gerechtigkeit und Frieden einsetzen.

 

Konstantinos Katevas hat sich zu einer Kandidatur entschlossen, weil es ihm nicht egal ist, was aus diesem Land wird. Foto: privat Konstantinos Katevas hat sich zu einer Kandidatur entschlossen, weil es ihm nicht egal ist, was aus diesem Land wird. Foto: privat Göppingen- Er ist ehrgeizig, dabei sehr dünnhäutig. Auf Fragen antwortet er stets präzise. Das wirkt manchmal angestrengt. Weiß er einmal nicht so richtig, was er sagen soll, oder kennt sich in einem Sachgebiet nicht aus, reagiert er schon auch mal genervt. Konstantinos Katevas ist der Bundestagskandidat der Partei DIE LINKE im Kreis Göppingen. Er ist 23 Jahre alt – zu jung, um zu taktieren. Er meint, was er sagt.

 

Doch diese Tugend hat eine Kehrseite: Für sein Alter erscheint er sehr ernst. Mehrere Podiumsdiskussionen hat der junge Mann, der in Tübingen Bioinformatik studiert, in den vergangenen Wochen absolviert. Er sei oft nervös gewesen und habe sich an einem „Haufen Zettel“ festgehalten, doch mittlerweile habe sich die Aufregung etwas gelegt, erzählt er. Obwohl er sich nichts vormacht und weiß, dass er keine Chance hat, am 24. September in den Bundestag gewählt zu werden, nimmt er seine Kandidatur nicht auf die leichte Schulter. Es ist ihm ernst mit der Politik. „Was aus diesem Land wird, ist mir nicht egal“, sagt er. Deshalb hat er auch schon einen Plan B. Er möchte bei der nächsten Göppinger Gemeinderatswahl kandidieren.

 

Traumabitur mit einem Schnitt von 1,7

Konstantinos Katevas ist nicht in Deutschland geboren. Im Alter von drei Jahren kam er nach Göppingen. Er erinnert sich, dass seine Eltern ihn eines Tages in ihren klapprigen Kleinwagen setzten und sich auf den weiten Weg nach Deutschland machten. „Wir hatten nur einen Koffer dabei, heute würde man wohl sagen, wir seien Wirtschaftsflüchtlinge“, sinniert er. Die Eltern, die beide in Griechenland studiert hatten, fingen in Deutschland von vorne an. Als Gastronomen rackerten sie von früh bis spät, um das Auskommen der Familie zu sichern. Heute noch ist Freizeit für sie ein Fremdwort, und ihr tägliches Arbeitspensum geht weit über einen Acht-Stunden-Tag hinaus. Das hat Konstantinos Katevas geprägt. Über seine Eltern, vor allem über seine Mutter, spricht er mit Liebe und Respekt. Seine Eltern hätten wirklich alles gemacht, damit es ihm und seinen zwei jüngeren Brüder einmal besser gehe. „Wir wurden durchgehend unterstützt.“

 

Seine griechische Herkunft hat Konstantinos Katevas nur selten als Hindernis empfunden, und plötzlich blitzt doch Schalk in seinen Augen auf. „Ich wollte meinen Kindergärtnerinnen Griechisch beibringen. Weil das nicht klappte, lernte ich eben Deutsch.“ Es erübrigt sich, zu sagen, dass er das sehr gut spricht. Auch in der Schule waren seine Leistungen exzellent. Er hat sein Abitur mit einem Durchschnitt von 1,7 gemacht. Davon können andere nur träumen.

 

Obwohl es so aussieht, als sei in seinem Leben alles reibungslos verlaufen, wurde Konstantinos Katevas nichts geschenkt, wie er betont. Bei ihm zu Hause sei es immer selbstverständlich gewesen, dass alle mithelfen. So hat er schon im Alter von neun Jahren auf seine jüngeren Brüder aufgepasst, um den Eltern den Rücken frei zu halten. „Ich habe immer Spiele für meine Brüder erfunden.“

 

Sozial- und Friedenspolitik brennen ihm auf den Nägeln

Als er 18 Jahre alt war, warf ein Schicksalsschlag ihn weit zurück. Er wurde schwer krank und musste ein ganzes Jahr im Krankenhaus verbringen. Es habe drei Jahre gebraucht, bis er völlig wiederhergestellt gewesen sei, erzählt Katevas. Und manches muss er noch nachholen, zum Beispiel den Führerschein.

 

Die Zeit im Krankenbett hat seinen Blick für soziale Themen geschärft. Am Herzen liegt ihm vor allem die Pflege kranker Menschen. Es könne nicht sein, dass Kliniken als profitorientierte Unternehmen geführt würden. Dadurch gerieten die Patienten aus dem Blick. Weitere Themen, die ihm auf den Nägeln brennen, sind die hohen Mieten und die Arbeitsbedingungen vieler Menschen. Der Arbeitsmarkt müsse sozialer und gerechter werden, fordert der junge Kandidat.

 

Seine sozialpolitischen Auffassungen haben ihn zu den Linken geführt. Auch was die Friedenspolitik angeht, fühlt er sich dort zu Hause. „Die Linke steht für Frieden und soziale Gerechtigkeit.“ Auf Deutschland will er seinen Blick nicht verengen. Die Europapolitik bewegt ihn – und da vor allem die Griechenlandfrage. Es sei unfair, wie die EU mit diesem Land umgehe, klagt der 23-Jährige, der zwei Pässe hat und sich nicht so richtig als Deutscher, aber auch nicht so richtig als Grieche fühlt. Als erklärter Pazifist will er auch für Frieden und Abrüstung eintreten. „In anderen Ländern wird Ungerechtigkeit auch mit unseren Waffen produziert“, sagt er. „Deutschland ist einer der größten Waffenexporteure weltweit.“ Das müsse sich ändern.

 

Konstantinos Katevas bezeichnet sich selbst als „wettbewerbsfreudige Person“ – eine Eigenschaft, die man in der Politik brauche. Auch im Privatleben kommt die Freude am Wettbewerb nicht zu kurz. Als Kommentator von Videospiel-Turnieren, sogenannten E-Sports, ist er auch in Berlin oder Leipzig gefragt. Kriegsspiele lehnt er allerdings ab. Da ist er konsequent.

 

     Göppingen, den 7.9.2017

 

             René Niess
     Medienpolitischer Sprecher
Kreisverband DIE LINKE. Göppingen

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